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Was kostet ein Musikvideo

Vermutlich die Frage, die am häufigsten in unserem Postfach landet, ist die nach dem Preis. Gleichzeitig handelt es sich dabei um die Frage, die sich keineswegs pauschalisiert beantworten lässt.

Als jemand, der von low budget Musikvideos bis zu high end Produktionen schon viel mitgemacht hat, möchte ich die Faktoren etwas erläutern und auch darauf hinweisen, worauf man sich als Band im Vorfeld Gedanken machen sollte.

Professionell drehen lassen vs. Selber drehen

Die meisten Bands, die auf uns zukommen, haben eine oder mehrere unserer Arbeiten gesehen und sind von der Qualität überzeugt. Häufig sind darunter Bands, die bereits in Eigenregie ein Musikvideo produziert haben oder ein Bekannter mit einer Spiegelreflexkamera hat die Produktion übernommen. Das kann gut gehen, es kann der Band aber auch eher ein Klotz am Bein sein, den man so schnell nicht mehr loswird. Aus unserer Sicht ist es natürlich immer angenehmer, wenn die Akteure bereits Erfahrung vor der Kamera sammeln konnten. Aber: Das Internet verzeiht nicht.
Video und Song müssen sich gegenseitig unterstützen. Ein schlechter Song wird mit einem starken Video nicht auf magische Weise besser. Hingegen kann ein schlechtes Video einen guten Song ruinieren oder zumindest herunterziehen.

Daher kommt früher oder später für fast jede Band der Schritt einer professionellen Musikvideoproduktion.

Idee vs Look

Verschiedene Fälle bedürfen verschiedener Herangehensweisen. Manchen kommt es vor allem auf ein perfekt produziertes Erscheinungsbild an – der eigentliche Inhalt ist dann häufig nicht mehr so wichtig. Auf der anderen Seite lässt sich ein Video ohne viel Budget mit einer guten Idee wesentlich besser verkaufen, als ein generisches, aber schwach produziertes Video. Im Idealfall hat man selbstverständlich beides, ein kreatives Video mit perfektem Look. An dieser Stelle sehen wir uns.

Das ist die Leistung, die wir unseren Bands bieten möchten.

Die Kosten – wie hoch und wieso?

Wenn man vom kleinsten Fall ausgeht, fließt in ein Musikvideo mindestens ein Drehtag mit zwei Personen am Set, im Durchschnitt drei bis fünf Tage für die Nachbearbeitung (Sichten, Rohschnitt, Feinschnitt, Farbbearbeitung, Effekte, Änderungen, …) und etliche Vorbereitungszeit vor dem Dreh. Da sind selbst für vermeindlich kleine Vorhaben schnell vierstellige Zahlen erreicht. Erfahrungsgemäß haut das viele, besonders jüngere Bands erstmal um. Nach oben sind dem Ganzen selbstverständlich keine Grenzen gesetzt, größere Vorhaben benötigen ein größeres Team, mehr Ausrüstung, usw.

EDIT: Es soll nicht außer Acht gelassen werden, dass auch außerhalb der reinen Produktion Kosten entstehen können, dazu gehören beispielsweise Miete für Drehorte und -genehmigungen, Fahrtkosten (oder gar Mietwagenkosten für Sprinter oder ähnliches), Schauspieler. Bei den Orten greifen viele – besonders jüngere – Bands gerne auf Vitamin B zurück. Die Scheune des Nachbarn, der ehemalige Weinkeller des Onkels, die Lagerhalle des Schwagers. Das klappt in der Regel relativ gut. Schwierig hingegen wird es, wenn statt ausgebildeten oder angehenden Schauspielern der beste Kumpel einspringt. Weniges kann selbst einer guten Produktion so schnell einen Strich durch die Rechnung machen wie die gute alte Liebesgeschichte vom deutschen Durchschnittspärchen, das einen mieserabel dargestellten Streit durchmacht. Natürlich kann man mit Freunden oder Bekannten als Schauspieler zurückgreifen, man muss allerdings realistisch in der dazustellenden Situation bleiben.

Das Equipment – was brauchen wir wirklich?

Es sei gesagt, dass grundsätzlich zwingend nicht mehr benötigt wird, als eine Kamera zum Aufzeichnen. Falls mit einer Privatperson gedreht wird, sollte trotzdem beachtet werden, dass sich eine moderne Spiegelreflexkamera durchaus im Bereich um die 3000€ für den Body alleine befinden kann. Auch Objektive, Speicherkarten, Akkus und sonstige „Kleinteile“ können tiefe Krater im Geldbeutel hinterlassen. Alleine daher machen mich Angebote für ein Musikvideo ab 300€ skeptisch – aber das ist ein anderes Thema.
Für den ein oder anderen Fall mag das schon genug sein. Daher betone ich immer wieder: der Preis ist eine Frage des Vorhabens. Bei größeren Vorhaben kommen Verleiher ins Spiel. In Köln einen Filmverleih ausfindig zu machen ist alles andere als schwierig. Hier eine Übersicht zum Ablauf und (möglichem) Kostenmodell:

Zwischen einem ein-paar-hundert und einem zigtausend Euro Vorhaben liegt oft nur sehr wenig.

Möchte man beispielsweise Superslowmotions in bestmöglicher Qualität , so mietet man sich eine passende Kamera für 300 bis 500€ pro Tag an. Darauf kommen noch 5% Versicherungsgebühren und 19% Mehrwertsteuer. Dann benötigt man vermutlich ein passendes Stativ, Schulterrig oder gar eine Steadicam – ganz zu schweigen von Cine-Optiken. Also nochmal 600€ mehr. Ohne professionelles Licht lässt sich nichts professionelles drehen, besonders nicht in der klassischen Situation der Lagerhalle bei Nacht, also nochmal 200€ extra. Monitore, Rekorder, Objektive, Stromaggregate, usw usf. Ich hole hier betont etwas weit aus, um klar zu machen, dass Kosten an jeder Ecke entstehen (können).

Es gibt aber auch hier keinen Regelfall. Die Produktionskosten hängen vom Produktionsvorhaben ab. Wir haben natürlich auch schon Musikvideos ohne jegliches gemietetes Equipment gedreht – das geht allerdings nur in bestimmten (minimalistischen) Fällen.

Fazit

Egal wo in Deutschland. Ob Hamburg, Berlin, Frankfurt, München oder Köln. Musikvideos sind für keinen Künstler eine Unmöglichkeit – gerade in heutigen Zeiten. Dennoch sind meist Kosten involviert, die von Bands übersehen oder nicht bedacht werden.
Ein häufiges Problem ist, dass Musikvideoproduktionen nicht frühzeitig genug geplant werden. Ich kann das Argument verstehen, dass man nach einer Studioproduktion für fast 10.000€ nicht direkt wieder tief in die Tasche greifen möchte. Stattdessen aber beim Musikvideo, was die Promo überhaupt für eine Band ist, zu sparen… Das möchte mir nicht in den Kopf.
Frühzeitig geplant und gespart ist das Produzieren eines Musikvideos seinen Preis auf jeden Fall wert. Auch wenn ihr vielleicht selbst drehen oder mit einem Bekannten arbeiten wollt – macht euch frühzeitig Gedanken über die Kosten und wisst, wie viel Arbeit in ein gutes Video gesteckt wird. Spart im Zweifel lieber einen Monat länger. An einem halbherzigen Video erfreut ihr euch vielleicht auf kurze Sicht – doch zu einem professionellen Musikvideo werdet ihr auch noch Jahre später stehen.

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