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„Mein Leben mit“ Ep. 01: Blackmagic Video Assist

UPDATE: Mittlerweile habe ich noch ein Video-Review angefertigt. Eintrag und Video sollen sich gegenseitig ergänzen, also lohnt sich hoffentlich der Blick in beides!
UPDATE #2: Gestern (05.02.2016) hat Blackmagic Design die Firmware 1.2 herausgebracht, die zum einen neue Funktionen bringt, zum anderen das PAL Problem endlich löst! Die Updates sind in den Blogeintrag eingebunden und gekennzeichnet. Download der Firmware hier: Mac, Windows

Da in nächster Zeit einige Änderungen bzw. Zusätze zu meinem GH4 Setup anstehen, ist das der richtige Zeitpunkt diese Serie zu starten, die sich schon länger in meinem Plan befindet. Grob gesagt werde ich hier einfach ein bisschen mein Equipment vorstellen, dabei aber natürlich versuchen Vor- und Nachteile zu zeigen sowie Erfahrung teilen. Der aktuelle Neuling in meinen Reihen ist der Blackmagic Video Assist.

Moralischer Standpunkt: Ich wurde von absolut keiner/m Firma/Hersteller hierfür bezahlt oder verdiene mit diesem Eintrag etwas. Dieses Review entspricht einfach nur meiner eigenen persönlichen, subjektiven Meinung sowie Erfahrung. Da ich dieses Review in meiner freien Zeit angefertigt habe, und nur mit meinem vorhandenen Equipment, kann ich auch nur für diese Kombination(en) sprechen. Außerdem beziehe ich  mich ausschließlich auf die Firmware 1.1 1.2, welche zum Zeitpunkt des Verfassens die aktuellste ist.

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Danke an Stefan vom ebendrumblog, der für einige der Fotos hier verantwortlich ist.

Was ist der Video Assist?

Es handelt sich hierbei um eine Kombination aus externem 5“ Monitor und Rekorder. Alle Specs zu Größe, Gewicht etc finden sich hier. So sehr ich die GH4 liebe, der OLED Bildschirm ist nicht treu genug dem Endergebnis gegenüber – zumindest nicht an meinem Modell. Das aufgenommene Bild ist immer ein gutes Stück dunkler, als es der Bildschirm verkaufen möchte. Zu oft bin ich in run & gun Einsätzen trotz Histogram darauf hereingefallen. Ein externer Monitor stand daher schon länger auf meiner to-buy-Liste. Und seit der Ankündigung des Video Assists im April habe ich ohnehin mit dem Rekorder geliebäugelt. Für seinen Preis von knapp unter 500€ bietet er rein von den theoretischen Spezifikationen her einfach enorm viel. Der Kauf (bzw. die Vorbestellung) erfolgte im Oktober 2015, nach dem Dreh zum Musikvideo ‚Gold‘, welches wir vollständig mit externen 10-Bit Rekordern gefilmt hatten. Nach über 2 Monaten Wartezeit erreichte mich die Lieferung endlich.

Warum ein externer Rekorder?

DSLR sowie DSLM Kameras nutzen nicht ihr volles Potential in Sachen Codec aus (die Gründe von Herstellerseite hierfür kann ich ehrlich gesagt nicht nennen. Ob es reine Geldmache ist, oder tatsächlich baubedingte Probleme mit sich bringen würde, die wiederum den Endpreis in die Höhe schieben… wer weiß).
Ein externer Rekorder schafft hier Abhilfe, indem er das Signal vom Chip direkt abgreift und in anderem (meist besserem) Codec sowie besseren Datenraten und ggf. einer höheren Bit-Tiefe schreibt. Derzeit gibt es keine DSLR/DSLM, die intern mit mehr als 8-Bit Farbtiefe aufzeichnen kann – die GH4 war ihres Zeichens die erste kleine Kamera mit einem 4:2:2 10-Bit HDMI-Ausgang. Der Qualitätsgewinn dadurch ist enorm, auch wenn der Unterschied vielleicht nicht viel klingen mag. Während 8-Bit Farbtiefe eine Bandbreite von über 16 Millionen Farben bedeutet, liefert 10-Bit Farbtiefe über eine Milliarde Farben.  10-Bit richtet sich also vor allem ans Color Grading und verhindert die bei 4:2:0 Codecs mögliche Treppchenbildung, siehe hier. Wer sein Bild lieber direkt aus der Kamera fertig bekommt, braucht 10-Bit nicht zwingend.
Abgesehen davon hat man mit den meisten Rekordern direkt noch einen externen Monitor integriert, was wie eingangs erwähnt nie schaden kann.

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Gutes am Video Assist

Mit seinem 5″ Touchscreen-Display (in wunderschöner FullHD Auflösung!) kommt der Video Assist angenehm klein daher, ist aber groß genug um ihn angemessen als externen Monitor (mit einem Betrachtungswinkel von 135°) an der Kamera zu verwenden. Trotz des geringen Preises fühlt sich der Video Assist gut verarbeitet an, das Gehäuse besteht größtenteils aus Aluminium und teilweise aus Plastik (auf der Rückseite). Die generelle Steuerung ist ähnlich eingängig wie bei Smartphones, tippen und wischen. Außerdem dreht sich der Bildschirminhalt automatisch, sollte man den Video Assist um 180° drehen. Wie bereits gesagt besteht das Hauptmerkmal in der 4:2:2 10-Bit fähigen Aufnahme im ProRes Codec (auf der Blackmagic Webseite wird nach wie vor auch von DNxHD geredet. Das ist aber weder im Video Assist anwählbar, noch wird es in der begelegten Anleitung aufgelistet.. UPDATE: Mit der Firmware 1.2 kam auch der DNxHD Codec). Die Aufnahme erfolgt angenehmerweise auf SD-Karten, was gegenüber den sonst üblichen SSD-Festplatten eine willkommene und günstige Alternative ist. Zu Beachten gilt aber, dass schnelle SD-Karten benötigt werden, besonders wenn man die höchsten Datenraten und Bildraten von 50/60 Hz ausnutzen möchte. Die Transcend Karten mit Lese-/Schreibgeschwindigkeit von 95-/60-MB/s, welche ich für die GH4 nutze, reichen zwar problemlos aus für alles bis 30 Bilder pro Sekunde, allerdings nicht für ProRes HQ mit 50/60 Bildern. Für diesen Zweck habe ich eine SanDisk SD Karte mit Schreibgeschwindigkeit bis zu 90MB/s bestellt, welche sich der Aufgabe ohne Probleme stellt. UPDATE: Die Firmware 1.2 bringt außerdem eine Anzeige der verbleibenden Speicherkapazität der Karte in Minuten, wenn man aufnimmt.

Außerdem liefert der Rekorder noch einige Hilfsmittel: Peaking, Zebra, Histogram, Audiopegel-Anzeige, Zoom-in sowie verschiedene Seitenverhältnis-Overlays (Action- und Titelsichere Bereiche, 4:3, 1.85:1, 2.35:1, 2.39:1, 2.40:1 und ein Drittel-Grid). Auch die bei vielen Kameras gängige zeitliche Aufnahmebegrenzung fällt durch den Rekorder weg – die einzige Limitierung besteht in der Größe der SD-Karte. Überhitzung an der Kamera durch zu lange Aufnahmen ist auch keine Gefahr mehr.

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Sinnvoll finde ich außerdem das Akku-Management (übrigens läuft der Video Assist mit LP-E6 Akkus, welche ich noch von meiner Canon 7D habe); Man kann zwei Akkus einlegen, von denen immer zuerst der weniger volle genutzt wird. Die Akkus entladen seriell, via dem +12V Anschluss lässt sich dann aber nicht nur der Video Assist betreiben, sondern auch die Akkus parallel aufladen. Auch ohne den Stromanschluss lässt sich durch Wechsel eines leeren Akkus, während noch ein voller angeschlossen ist, eine endlose Inbetriebnahme gewährleisten. In meinem Besitz sind neben meinem Originalen Akku von Canon noch drei Modelle der Firma Weiß. Obwohl ich an meiner 7D nie Probleme mit der Anzeige zur Akkuladung hatte, gab es im Internet viele Beschwerden darüber, dass diese nicht funktionieren würde. Die Erfahrung konnte ich nun auch beim Video Assist machen. Dazu sei gesagt, dass meine Akkus allesamt schon ein paar Jahre und viele, viele Betriebsstunden mit sich herumschleppen. Dennoch ist mir aufgefallen, dass der Video Assist schon nach kurzer Zeit den Ladezustand als leer anzeigt, und dann trotzdem ungehemmt weiter läuft. Das ist natürlich etwas ärgerlich, aber wohl auf die Akkus zurückzuführen. Abgesehen davon scheint sich die Laufzeit pro Akku auf ca eine Stunde zu belaufen, was in Anbetracht der Größe und des Preises der Akkus durchaus in Ordnung geht.

Zuletzt seien noch  die Anschlussmöglichkeiten erwähnt, neben einem Kopfhörer (Minijack) Anschluss um den Ton abzuhören findet man zwei HDMI Slots (je 1x In / Out) sowie zwei 6G-SDI Anschlüsse (je 1x In / Out) und 6 Mounting-Gewinde (1/4″).

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Nicht so Gutes am Video Assist

Bei einem Rekorder, der wesentlich günstiger als die Konkurrenz auf den Markt geht, muss es natürlich auch Limitationen geben. Die Größte besteht in der Beschränkung auf 1080p (bis maximal 60p). Wer mehr will, muss wohl oder übel zu größeren Nummern wie dem Atomos Shogun 4K greifen ( – großartiges Arbeitswerkzeug, allerdings spiegelt sich das auch im Preis wider).
Ich habe das schonmal zuvor erwähnt, ich habe bis dato nahezu ausschließlich 1080p Projekte in der finalen Ausgabe – und da die GH4 intern am HMDI output von 4K downscalen kann, geht auch hier nicht viel verloren. Der Video Assist selbst kann auch ein 4K-Eingangssignal herunter skalieren, allerdings nur über den SDI-Eingang.
Abgesehen davon gibt es nicht allzu viel zu bemängeln. Ich vermisse eine „Tastensperre“ für den Touch-Display. Den Power on/off Knopf finde ich etwas unhandlich – das liegt aber vermutlich daran dass meine bisherigen Einsätze alle mit Handschuhen stattfanden.
Die Menüfunktionen empfand ich bei der ersten Benutzung etwas unschön gelöst und unübersichtlich (das scheint aber ebenfalls an mir zu liegen, da ich auch schon das GH4 Menü bemängelt habe… Menüs und ich werden wohl keine Freunde), da es aber sowieso kaum Einstellungsmöglichkeiten gibt, ist das nicht weiter tragisch. Für meine Dienste brauche ich die meiste Zeit sowieso die gleichen Einstellungen und werde daher nicht viel Zeit in den wenigen Menüs verbringen.
Dass man übrigens Clips zwar anschauen und wunderbar scrubben, aber nicht löschen kann, ist mir ein Rätsel.

Weiteres / Das PAL Problem

Wenn man über den Video Assist aufnehmen möchte, muss man ggf. einige Einstellungen an der Kamera ändern. In meinem Fall habe ich an meiner GH4 zum Einen den automatischen Stand-By Modus verneint, sowie die Übertragung von Informationen wie Blende, Shutter usw. am HDMI-Output. Das ist vielleicht nicht für jeden direkt offensichtlich, doch der Video Assist (sowie nahezu jeder Rekorder) zeichnt das Signal so auf, wie es herein kommt. Mitgelieferte Menüs zählen hier genauso dazu wie Kamerapeaking, Zebra und alles weitere. Daher musste ich auch den Automatischen Fokus-Zoom an der GH4 ausschalten. Das ist die Funktion, die ein aufgezoomtes Bild-in-Bild anzeigt, wenn man am Fokusring dreht, um eine genauere Beurteilung der Schärfe zu ermöglichen. Da die Kamera allerdings nicht weiß, wann der Rekorder aufzeichnet, wird diese Funktion auch während der Aufnahme nicht ausgeschaltet und kann einem sehr schnell den Shot ruinieren. Da der Video Assist aber auch selbst eine Zoom-In Funktion besitzt, ist hier ohnehin kein großer Nutzen für.
Testweise habe ich noch probiert, den Video Assist als Rekorder für die GoPro Hero 4 BE zu benutzen. Wenig überraschend klappt das nicht wie gewünscht. Zum Einen überträgt die GoPro ihre Menüs mit, zum Anderen bricht die Verbindung immer wieder ab. Schade trotzdem, vielleicht geht das ja in Zukunft. GoPro am Gimbal mit Blackmagic VA als Rekorder oder auch nur externer Monitor. Das wäre schon eine feine Sache. UPDATE: Auch GoPro Übertragung läuft mit der Firmware 1.2 besser (leider bekomme ich aktuell noch „Dropping Frames“). Hierzu sollte man allerdings die Menü-Übertragung an der GoPro ausschalten, diese Einstellung findet sich (finde ich) relativ gut versteckt im Setup unter „OSD“ (On Screen Display). Ist diese Einstellung ausgeschaltet, bekommt man einen wunderschönen CleanFeed! Testaufnahmen werden folgen.

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Im Netz tauchten schon vor längerer Zeit Problemberichte auf, denen zufolge der Video Assist absolut kein PAL Signal von der GH4 annehmen würde. Das habe ich natürlich erst gelesen, nachdem ich schon bestellt hatte – und war daraufhin erstmal beunruhigt. Tatsächlich konnte ich nach dem Auspacken und anschließen keine Probleme feststellen, ohne Umschweife bekam ich das gewünschte Signal meiner GH4 am Rekorder angezeigt. Auch Aufnahmen waren kein Problem. Da ich selbst noch auf ein entsprechendes Micro-HDMI auf HDMI Kabel gewartet habe, durfte ich eines von Tobi benutzen. Nachdem meines dann ankam – kein PAL Signal mehr. Und auch kein 24p Signal. Lediglich 30 und 60 fps Signale wurden vom VA noch angenommen. Es wird spekuliert, dass die Problematik sowohl an der GH4 als auch am VA besteht. Für mich ist jetzt aber erstmal das Wichtigste: das richtige Kabel tut’s! Tatsächlich funktioniert alles problemfrei mit den Amazon Basic Kabeln. Glücklicherweise hatte ich also ein solches beim ersten Anschluss zur Hand. Andernfalls wäre ich vermutlich wesentlich weniger glücklich in die Erfahrung mit dem Rekorder gestartet. Ich werde noch ein paar verschiedene Kabel bestellen und ausprobieren, meine Ergebnisse werde ich hier nach und nach einfügen. Hoffentlich wird das Problem aber bald behoben, auf die eine oder andere Weise.
UPDATE: Ich bin extrem froh, dass dieses Problem seit der Firmware 1.2 nicht mehr besteht! Danke Blackmagic, es wurde Zeit! Aufnahmen in allen Formaten scheinen jetzt problemlos zu klappen, zumindest konnte ich bei mir mit allen vorhandenen Kabeln keine Probleme mehr feststellen und auch die Berichte im Internet sind soweit durchgehend positiv.

Footage  Qualität

Bisher konnte ich den Video Assist noch nicht ausgiebig genug an Projekten testen, um ein allumfassendes Fazit zur Qualität zu ziehen. Derzeit habe ich nur das Freiburg Postcard Video und ein paar kleinere Tests mit dem Video Assist aufgenommen, und habe zu diesem Zwecke das Cine-D Profil der GH4 bis zum Maximum ausgereizt (Kontrast, Sharpness und Noise Reduction alles auf Minimum und zusätzlich die Shadow/Highlight-Kurve im Schattenbereich angehoben und im Highlightbereich abgesenkt. Das ist meiner Ansicht nach das Flacheste, was man an einer GH4 ohne V-Log L bekommen kann.)
Generell ist die Bildqualität wunderschön, das Bild was ich aus dem Video Assist auf meinem Rechner bekommen habe, überzeugt auf ganzer Linie. Im Grading hatte ich allerdings bei einigen Clips hohes Rauschen, besonders in den Highlights. Ich möchte aber nicht abschrecken, die Gründe hierfür können in der Tat vielfältig sein. Zum einen habe ich nur einen sehr starken ND-Filter in Freiburg dabei gehabt und musste teilweise stark mit ISO gegendrücken (zu stark, vermute ich). Desweiteren bin ich mir der optimalen Belichtung mit diesen Einstellungen nicht sicher & habe in einigen Shots wohl einfach mehr Kontrast rauskitzeln wollen, als die Realtät zulässt. So sind die teligen Shots von den Bergen ins Tal nunmal auch im echten Leben sehr entsättigt und kontrastarm, durch die Luftpartikel. Dieses Phänomen nennt man Luftperspektive (siehe auch: Farbperspektive). Jedenfalls habe ich das Freiburg Postcard Video ohne Noise Reduction hochgeladen, damit sich jeder ein eigenes Bild machen kann (und außerdem empfinde ich wie schon im GH4 Review erwähnt das Luma-Rauschen nicht allzu unangenehm, im Gegenteil!).

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Fazit(-ish)

Soweit bin ich enorm zufrieden und froh, dass ich nicht weiter gewartet, sondern bestellt habe (die Wartezeit ist, soweit ich weiß, immer noch nicht kürzer). Preis/Leistung ist aktuell unübertroffen und der Video Assist gibt der GH4 nochmal frischen Wind in meinem Setup. Nicht, dass sie es wirklich nötig hätte, aber das kleine Monster kann damit nochmal länger „oben“ mitspielen.
Was sich zeigen wird ist der Einsatz tatsächlich am Set, vor allem mit hektischen Bewegungen und allem was sonst zu meinen klassischen Musikvideos gehört.
In der nächsten Episode von ‚Mein Leben mit‘ befasse ich mich mit dem Rigging meiner GH4.

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