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Tutorial: Musikvideo Schnitt Workflow & Tipps

 Workflow gehört definitiv zu den Themen, die jeder für sich selbst erforschen bzw. finden muss. Daher ist das hier (wie jedes mal) weniger ein generelles Tutorial denn viel mehr ein Einblick in meine persönliche Arbeitsweise. Soll heißen: Weder ist es der einzige, noch der perfekte Weg. Auch ich passe meinen Workflow ständig an, versuche zu optimieren oder probiere mal etwas Anderes. Dennoch bleiben einige grundlegende Schemata immer gleich oder zumindest ähnlich. Ich hoffe, dass sowohl Einsteiger als auch erfahrenere Videographen hierin einen Mehrwert finden. Auf der anderen Seite bin ich hier auch sehr offen für Kommentare, Anregungen, Verbesserungsvorschläge usw.


Datenmanagement

Das gehört auf jeden Fall zu den wichtigsten und absolut grundlegenden Themenbereichen, um die niemand herum kommt. Ich hatte früher immer regelrechtes Chaos auf meinen Festplatten (und habe auch heute noch einen Ordner, in dem ich alles abwerfe, was nirgendwo sonst reinpasst. Auch meine Dropbox fungiert als „Ablage für alles“, dennoch räume ich auch hier immer wieder mal auf). Erst mit dem Umbau kam ein Ordnersystem, welches seither strikt eingehalten wird.

Wer viele Videoaufträge hat, wird zwangsweise eine durchdachte Ordnerstruktur benötigen. Es ist ein leidiges Thema, besonders in Bezug auf Langzeitspeicherung. Ich empfehle, die Langzeitspeicherung von Rohdaten vertraglich festzuhalten, denn wer viele Daten behält wird sich auf lange Sicht permanent neuen Platz dafür anschaffen müssen. Und das kann teuer werden, auch wenn Festplatten mittlerweile relativ erschwinglich sind. Die Masse macht’s, und GB sind schnell verbraucht je nach Kamera bzw Drehformat und Umfang des Projektes.

Ich habe derzeit 6 Festplatten im aktiven Betrieb, 3 davon intern im Rechner, 3 extern (die internen Festplatten im MacBook lasse ich einmal außen vor, da ich diese nicht speziell nutze).

Im Rechner befindet sich eine SSD Festplatte ausschließlich für das OS und die Adobe Programme, eine HDD auf der aktuelle Projekte liegen an denen ich arbeite und eine weitere HDD für privates, sonstiges sowie alle weiteren installierten Programme. Extern jeweils eine Footage Festplatte und eine Backup-Footagefestplatte. Außerdem eine mobile LaCie Festplatte für unterwegs im ExFat Datensystem für problemfreie Datenübertragung zwischen Mac und Windows. Prinzipiell funktioniert das so alles gut, aber natürlich sollen die internen HDDs (oder zumindest die, die zum Arbeiten verwendet wird) gegen SSD(s) ersetzt werden. Das ist mir im Moment aber noch zu teuer, dafür dass ich mit den HDDs keine merklichen Probleme habe.

Ganz wichtig war mir, dass die Ordnerstruktur auf allen Festplatten, die mit Footage zu tun haben, identisch ist. Das klingt simpel, ist aber denke ich nicht selbstverständlich.

Meine Hauptstruktur habe ich hier vereinfacht dargestellt. Tatsächlich ist es in noch mehr Kategorien unterteilt und in jeder Kategorie in Jahre gefasst und dort chronologisch („2015-11-02_Projektname“) abgelegt.

Projektordner / Synchronisieren / Schnitt

Auch für das Schnittprojekt gilt: Ordnung! Ich importiere immer den kompletten Projektordner. Mein mittlerweile fester Workflow besteht darin, in der Timeline entsprechend viele neue Videospuren zu erstellen (also entsprechend der Anzahl der Takes oder wieviele Spuren die Drehbedingungen auch immer voraussetzen) und direkt alle außer der ersten Spur unsichtbar zu schalten. Zum manuellen synchronisieren1 genügen zwei Audiospuren. Auf die Spur 2 lege ich den Song, auf die Spur 1 (sowohl Video als auch Audio) kommt das File der Kamera.

Premiere Tipp: Wer mit Footage von einer Kamera, die mehrere Tonspuren aufnimmt, arbeitet, kann sich im Projektfenster diese Dateien auswählen, und mit einem Rechtsklick auf „ Modify“ > „Audio Channels“ navigieren, um dort die Anzahl der Audiospuren und die Zuordnung dieser zu verändern. Wenn man also eine Kamera mit 8 Audio Channels hat, bei der sich der wichtige Ton nicht auf der Spur 1 befindet, kann man das hier anpassen und alle unnötigen Spuren direkt „löschen“.

Premiere besitzt eine interne „synchronize“ Funktion, die bei parallel aufgenommenen Audiospuren von mehreren Kameras ganz gut funktioniert. Ganz gut deshalb, weil es ab und an auch Totalausfälle gibt, selbst bei vermeintlich offensichtlichem Material. Daher nutze ich das eher selten. Im Normalfall ist das Synchronisieren allerdings problemlos, wenn eine Audiospur im Footage mitgeliefert wird. Nahezu ausnahmslos gibt es selbst in heutigen Zeiten, in denen quasi alle Songs bis auf den Tod komprimiert werden, irgendwo einen prägnanten Ausschlag nach einer kurzen Pause oder ähnliches.

Premiere Tipp: Erfahrungsgemäß reichen 1-Frame-Schritte in einer 24/25/30-fps Timeline aus, um genau zu synchronisieren. Allerdings ist es selten wirklich perfekt – was bei maximalem Zoom besonders auffällt. Wer es also wirklich exakt genau haben möchte, rechts-klickt im oberen Teil der Timeline und wählt „Show Audio Time Units“, dann lassen sich Clips exakt verschieben, ohne auf die 1-Frame-Schritte angewiesen zu sein.

Knifflig wird es vor allem, wenn keine Audiospur zum Bild vorhanden ist, zB bei Superslowmotion-Takes, die auf Normalgeschwindigkeit synchronisiert werden sollen. Ich versuche mich hier – falls im Bild vorhanden – am Schlagzeuger zu orientieren. Sollte das nicht der Fall sein kann das schon mühseliger werden, genau den Punkt zu finden.

Passend zum Thema: Superslowmotion Shots bekommt man mit einer einfachen Formel (bzw 3-Satz) wieder auf „Echtzeit“-Tempo. Die aufgenommene Framerate pro Sekunde durch die Framerate des Clips ergibt den Faktor, mit dem die Geschwindigkeit multipliziert werden muss. Also ganz einfaches Beispiel: Aufgenommen wird mit 150fps im 24p-Format. 150/24 = 6,25. Geschwindigkeit muss also auf 625% (100% * 6,25) gesetzt werden, um auf Echtzeit zu kommen.

Alternativ kann man in Premiere auch dem Clip direkt sagen, was für eine Framerate er für Originaltempo annehmen soll. Im Projektfenster den Clip dazu rechtsklicken, via „Modify“ > „Interpret Footage“ klicken und hier die entsprechende Framerate eingeben.

Tipp: Beim Dreh mit verschiedenen Framerates ( – habe ich immer mal wieder, dass Clips mit 96, 120, 150, 180 fps im Footage sind – ), am Anfang ganz kurz ein Blatt in die Kamera halten, auf der die fps Zahl steht, damit im Schnitt direkt ersichtlich ist, welche Geschwindigkeit eingestellt werden muss. Zu oft hatte ich schon das Problem, dass ich erst hin und her probieren musste, was denn nun die korrekte Geschwindigkeit ist. Das nervt und kann mit simplen Mitteln verhindert werden.

Ist ein Clip fertig synchronisiert, lösche ich den Kameraton und verschiebe den Clip auf die oberste freie Videospur. Das lässt sich natürlich auch andersrum machen – also einfach die Spur, auf der der Clip ist, unsichtbar schalten und auf der Spur darüber den nächsten Clip synchronisieren. Was mich daran nur stört, ist dass ich einen Clip auf diese Weise nicht direkt aus dem Projekt- oder Sourcefenster in die Timeline ziehen kann, da der zugehörige Audioclip von Premiere auf eine Audiospur parallel zur Videospur gezogen werden möchte. (Edit: Beim nochmaligen Durchlesen kommt mir das unklar vor. Natürlich GEHT das schon, aber der Kameraton wird dann auch immer auf höhere Audiospuren gelegt, und ich möchte ihn ja immer auf der obersten Spur.) Das halte ich einfach für unpraktisch und bedeutet für mich mehr Rumschieberei. Das bleibt aber wie immer jedem selbst überlassen.

Mit Abschluss der Synchronisierung schaffe ich nochmal mehr Ordnung. Im klassischen Performancevideo zB kommen alle Spuren, die sich auf das selbe Bandmitglied beziehen, nebeneinander, etc. Anschließend diese Clips einfärben (Rechtsklick auf die Clips und via „Label“ eine Farbe auswählen. Diese lassen sich in den Einstellungen unter „Edit“ > „Preferences“ > „Label Colors“ individualisieren), was nicht nur der Spurenübersicht dient, sondern später im Schnitt auch schnell klar macht, wer wann zuletzt zu sehen war, welche Farbe mehr zu sehen ist als andere etc.

Anschließend geht es ans Sichten, sprich: Jeden Take durchschauen, Unverwertbares direkt entfernen. Ich lege mir immer schon 3 Spuren bereit, auf die ich meinen Schnitt „verteile“. Fallen mir beim Sichten besonders gute Momente auf, die ich auf keinen Fall später vergessen oder übersehen möchte, markiere ich sie mir entweder in rot oder ziehe sie direkt auf eine meiner 3 Schnittspuren; je nachdem ob es „nur“ gut oder eben unverzichtbar ist.

Nach dem Sichten kommt der Punkt, an dem ich mein erstes Backup anfertige. Für den Fall der Fälle also; damit ich immer wieder hierher zurückkehren kann. Also einfach die Sequenz kopiert und sinnvoll benamt. Manch einer mag vielleicht mehr Backups anlegen, manch einer vielleicht gar keine. Ich erachte es für sinnvoll nach dem Synchronisieren und nach dem Schnitt zu tun, besonders wenn man in seiner Schnittsoftware auch das Colorgrading machen möchte. Hinterher gibt es für jede Korrekturrunde noch eine eigene Sequenz.

Mehr zum Schnitt kann ich an sich nicht weitergeben, hier arbeite ich vor allem nach Gefühl: Was klappt, was nicht, wer war zuletzt im Bild, wer zu lange nicht mehr, worauf legt der Song gerade Fokus, etc.
Parallel schreibe ich einen generellen Premiere Pro Tipps & Tricks Blog, der hoffentlich in Kürze fertig ist. Das sollte (voraussichtlich) einigen Lesern helfen können.

Übrigens: Ich beschreibe hier sehr strikt ein Video, was ausschließlich aus Performance besteht. Bei Storyszenen oder anderen Elementen fertige ich mir einen Bereich hinter dem Song an und schneide die Szenen so, dass sie alleinstehend funktionieren würden. Anschließend verteile ich sie grob passend zum Song in der Timeline und schneide es später unter.

Color-Grading / Effekte

Prinzipiell scheiden sich hier die Geister, was zuerst zu kommen hat. Ich persönlich bevorzuge generell das Grading vor den Effekten, möchte es aber niemandem vorschreiben. Wenn ich hier vom Color-Grading schreibe, gehe ich von einem externen Programm wie z.B. DaVinci Resolve aus. Dazu würde man aus Premiere seinen Schnitt als .XML exportieren. Um eine übersichtliche XML exportieren zu können, fertige ich eine weitere Kopie meiner Sequenz an, lösche hier alles Footage was nicht im Schnitt verwendet wurde und die leeren Spuren. Wenn möglich, vereinfache ich den Schnitt auch auf eine Spur (oder eben so wenige, wie benötigt werden). Dann einfach via „File“ > „Export“ > „Final Cut Pro XML“ exportieren.

Nachdem man DaVinci mit den Footage Files gefüttert hat, kann man hier seine XML laden und DaVinci erstellt  eine Timeline mit dem Schnitt, dem Grading steht dann nichts mehr im Wege.

Nungut, ich möchte eigentlich nicht „nichts“ sagen, leider stoße ich immer wieder auf Probleme. Allem voran werden Speedramps (also Veränderungen der Geschwindigkeit innerhalb von einem Clip) nicht oder zumindest nicht korrekt in eine XML geschrieben, solche Clips sind daher prinzipiell nicht korrekt wenn sie von Premiere in DaVinci ankommen – sehr ärgerlich! Für gewöhnlich übernehme ich mein Grading für diese Clips einfach konsequent, indem ich den gesamten Clip aus DaVinci rendere (nach dem Grading, versteht sich) und anschließend in Premiere ersetze.

Resolve bietet in seiner aktuellsten Version deutlich mehr Möglichkeiten, es als vollständiges Schnittprogramm zu verwenden, allerdings habe ich das bislang noch nicht probiert. Gegebenenfalls lösen sich solche Probleme, wie die Speedramps dann von selbst.

Nach Resolve kann das Ergebnis entweder direkt gerendert werden (besonders, wenn es keine Effekte zu machen gibt), oder erneut per XML zurück zu Premiere oder After Effects geschickt werden. Resolve rendert die fertigen Clips aus und schreibt eine eigene XML, die im Schnittprogramm eingeladen werden kann. Das ist besonders nützlich, falls später doch noch Änderungen anfallen. Müssen noch Effekte gemacht werden, kann man diese wie gewünscht vornehmen. Bei kleineren Angelegenheiten nutze ich die Dynamic Link Funktion und schicke die Clips direkt aus Premiere zu After Effects. Man kann aber zum Beispiel auch den gesamten Schnitt in After Effects öffnen und im Anschluß hier ein Master rendern.

1 es gibt durchaus auch Synchronisierungssoftware, zB Plural-Eyes. Diese sind aber darauf ausgelegt, tatsächlich parallel aufgenommene Spuren aufeinander abzustimmen. Synchronisiert man auf einen Song, ist dieser ja nicht identisch mit den Tonaufnahmen der Kamera (welche ja die komplette Umgebung mit einfängt im Ton). Möglicherweise klappt es trotzdem, ich habe das bisher nicht getestet.

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