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Tipps & Tricks: Konzertfotografie

Ich bin kein Fotograf. Das betone ich immer wieder und ich möchte auch kein Fotograf sein. Trotzdem habe ich einige Erfahrungen gemacht, die ich Einsteigern der Konzertfotografie gerne weitergeben möchte. In diesem Sinne ist es also auf keinen Fall der richtige Weg, oder gar der einzige. Es sind lediglich Tipps und Tricks, die für mich gut funktionieren, und die dem ein oder anderen vielleicht weiterhelfen können. Desweiteren fotografiere ich derzeit ausschließlich Clubshows im Metalbereich, daher beziehen sich diese Tipps auf ein solches Umfeld. Vieles lässt sich sicherlich auch auf Open Air Konzerte oder Akustikshows übertragen, gegebenenfalls leicht abgeändert.

Grundlegendes

In den meisten Fällen hat man pro Band / Act lediglich die ersten drei Songs des Konzertes die Möglichkeit, Fotos zu machen. Das bringt natürlich einige Besonderheiten mit sich, siehe besonders unter dem Punkt „Schnelligkeit“. Außerdem ist fast immer das Fotografieren mit Blitz verboten. Gibt es einen Fotograben? Wenn ja, sollte man sich schonmal glücklich schätzen. Sich auf Konzerten (besonders im Metalbereich) ohne Fotograben durch die Crowd kämpfen müssen und keine Absicherung zu haben, ist alles andere als angenehm. Mir kommt in solchen Fällen wenigstens noch meine Körpergröße zugute. Doch auch im Fotograben kann es – mit mehreren Fotografen (und teilweise Filmteams ohne Rücksichtnahme, mehreren Kameramännern + Kabelträgern), außerdem Securities – sehr eng werden.

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Kamera

Dass alle Akkus geladen, alle Speicherkarten formatiert und alles sinnvoll eingepackt sein muss, geht hier natürlich allem voran.
Hat man die Wahl, gilt bei (indoor) Konzerten vor allem eins: Lichtstärke ist Trumpf. Wer kann, sollte zu einer Kamera mit Vollformatsensor greifen. Das ist zwar nicht zwingend nötig, erleichert einem aber schonmal das Leben im Kampf gegen die (meist) schlechten Lichtverhältnisse. Ich selber habe immer mit APS-C Sensor fotografiert – genauer gesagt mit meiner Canon 7D. Das beste Werkzeug ist eben immer das, was man hat.
Selbiges gilt für die Objektive, Optiken mit Anfangsblende kleiner als f/2.8 sollten vermieden werden. Wer kann, greift zu f/1.8 oder ähnlichen Blendenstufen. Zoomobjektive mit solchen Blenden sind sehr teuer, daher lege ich vor allem Einsteigern und Hobbyfotografen Festbrennweiten ans Herz. Diese werden bei Konzerten zwar einen Objektivwechsel (oder zwei, …) mit sich bringen, aber dafür gibt es einige sehr gute Festbrennweiten im f/1.8 Bereich schon sehr günstig. Ich arbeite auch fast ausschließlich mit Festbrennweiten.
Zwar spricht prinzipiell nichts dagegen, in JPEG zu fotografieren, trotzdem möchte ich jedem ans Herz legen, sich mit Raw auseinanderzusetzen, da die Bearbeitungsmöglichkeiten einfach enorm vielfältiger sind, im Bild enorm viel mehr Informationen gespeichert werden.
Bei Konzerten sollte man der Kamera in nur wenigen Fällen irgend eine Art von Kontrolle geben, ich wähle immer den manuellen Modus. Die Kamera würde bei halb- oder gar vollautomatischen Modi eine zu helle Belichtung anstreben, was letztlich meistens zu unbrauchbaren Bildern führt.

Schnelligkeit

Schnelligkeit betrifft einige Bereiche, angefangen bei der Kamera. Bei den Konzerten die ich bisher fotografieren durfte, war es zwar selten möglich, aber ich strebe generell Belichtungszeiten von 1/500s oder kürzer an. Kürzere Belichtungszeiten bedeuten schärfere Bilder, was gerade bei schnellen Bewegungen wie Sprüngen enorm wichtig ist. Ich nehme lieber ein bisschen mehr rauschen in Kauf, denn eine längere Blichtungszeit zu wählen. Also wird der ISO Regler zuerst in Betracht gezogen, bis zu einem erträglichen Niveau, versteht sich.
Schnelligkeit betrifft auch das Objektiv. Lichtstärke habe ich ja bereits erwähnt, auch ein schneller Autofokus ist enorm hilfreich. Bewegt sich euer Ziel gerade auf euch zu oder von euch weg, kann ein schneller Autofokus die Arbeit erleichtern. Oft hat man allerdings mit starkem Gegenlicht zu kämpfen, hier versagt der Autofokus gerne mal, von daher sollte man auch manuell schärfe ziehen können. Das führt mich auch zum nächsten Bereich der Schnelligkeit:

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Du selbst. Um sowohl manuellen als auch Autofokus „gleichzeitig“ verwenden zu können, ohne am Objektiv umschalten zu müssen, lassen sich die meisten Kameras so einstellen, dass ein halb gedrückter Auslöser NICHT den Autofokus aktiviert. Stattdessen nutzt man dann – sofern vorhanden – die AF ON-Taste für Autofokus, oder schaut gegebenenfalls, ob sich der Autofokus auf eine Funktionstaste legen lässt. Bietet die Kamera kontinuierlichen Autofokus, hat man damit alle Fokusfunktionen in einem: manuelles Fokussieren am Objektiv, automatisches Fokussieren durch AF ON, und kontinuierliches Fokussieren durch gedrückt halten der AF ON-Taste. Da Auslöser und Autofokus getrennt sind, kann man jederzeit auslösen. Sollte eine Trennung an der Kamera überhaupt nicht verfügbar sein, sollte man seinen Daumen eigentlich permanent am AF/MF Knopf der Optik haben, um zB das Objekt nur einmal mit dem Autofokus anzupeilen und dann falls nötig eine Bewegung mit der Schärfe verfolgen. Das ermöglicht dann auch leichtes Burst-Shooting (also mehrere Fotos direkt hintereinander schießen), ohne dass euer Objektiv nach jedem Foto erneut die Schärfe ziehen will/muss. Ob man Burst nutzt oder nicht, ist jedem selbst überlassen. Ich persönlich bevorzuge, meine Schärfe zu ziehen und auf den richtigen Moment zu warten, bevor ich abdrücke. Das kann aber natürlich auch schief gehen, und s o ist mir schon der ein oder andere Sprung durch die Lappen gegangen.

Ein anderer Aspekt, den du selbst beachten musst: es fehlt die Zeit. Bilder schaue ich prinzipiell nur in den Pausenzeiten durch und lösche direkt die versauten Shots. Drei Songs sind nicht viel, von daher zählt hier oft Masse und eben Schnelligkeit. Die ganze Band muss abgelichtet sein, also vergiss nicht, auch mal vom Sänger abzulassen.
Zwischen zwei Songs ist die richtige (und einzige!) Zeit für einen Objektivwechsel, sofern notwendig.  Hierzu bitte kurz an den Rand, nicht direkt vor der Bühne stehen bleiben; und auch schnell vorgehen. Das letzte was man hier riskieren möchte, ist dass der Sensor irgendwas abbekommt. Alternativ – wer es sich leisten kann – einen zweiten Kamerabody mit anderer Optik mitbringen, um Objektivwechsel gänzlich zu vermeiden.

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Bildgestaltung

Natürlich ist alles immer geschmackssache. Ich zum Beispiel mag ein bisschen Platz auf Konzerfotos, reinen Portraitaufnahmen kann ich persönlich wenig abgewinnen. Hierbei lege ich viel Wert auf die Drittelregelung, meistens ist in meinem Sucher an den betreffenden Punkten eine Markierung (bei meiner 7D zB durch das legen von AF-Punkten). Auch finde ich bei Konzerfotografie ein wenig Dead Space hin und wieder die richtige Wahl – doch das ist erneut geschmackssache.
Außerdem denke ich viel in diagonalen Linien. Es muss nicht immer alles 90° waagerecht oder horizontal sein bei Konzerten, finde ich. Diagonale Linien im Bild bringen ein bisschen mehr Spannung in vielen Fällen.

Goldener-Schnitt

One comment

  1. Ich danke Ihnen für den interessanten Artikel. Es ist gar nicht so einfach die perfekten Fotos auf einem Konzert zu machen. Die Lichtverhältnisse sind oft schwierig.
    Beste Grüße,
    Manuel

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