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„Schattensaiten“ – Ein Abschlussbericht

Dies ist im eigentlichen Sinne ein Blog über meinen Abschlussfilm. Dennoch weite ich ein wenig aus und lasse meine Ausbildungszeit noch einmal an mir vorbeiziehen.

Ich zog 2012 auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz  zum Mediengestalter Bild und Ton nach NRW und hatte es trotz einiger Vorerfahrung (damals dachte ich, ich wüsste soooo viel. Aus heutiger Sicht belächle ich meine Naivität und gehe mit der Einstellung durch den Tag, dass es egal ist wie viel man weiß. Es gibt noch soooo viel zu lernen!) nicht leicht, eine Stelle zu finden. Im Sommer 2013 ging es dann dennoch los, und ich hatte mir ein klares Ziel gesetzt: sei besser als du selbst. Das klingt bescheuert, aber ich habe mir das als Motivation gesetzt, den inneren, faulen Schweinehund zu überwinden und das (Medien)Leben in all seiner Fülle anzugehen. Letztlich hieß das, meine ans Zocken verschwendete Jugendzeit wieder aufzuholen und so viel Zeit wie möglich zu investieren. Natürlich gab es Tage, an denen ich lieber etwas anderes getan hätte. Dennoch bin ich froh zu den Menschen gehören zu dürfen, die auf dem Weg zur Arbeit nicht mit unendlich negativen Gefühlen und Gedanken belastet sind. Das war nicht immer so, mein Zivildienst war jeden Tag eine neue Stufe von depressivem Gedankengut.

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Zu dem Ziel gehörte unter anderem auch, die Berufsschule nicht zu vernachlässigen. Drei Jahre am Ball bleiben würde den Abschluss wesentlich einfacher machen, so die Motivation dahinter. Ich hatte damit auch recht, und die Motivation lies auch erst im dritten Lehrjahr nach. Ich konnte bei mir wirklich feststellen, wie wenig Lust ich auf den Endspurt hatte, und die Reue, dass ich nicht verkürzt hatte, trat ein. Schlechter Zeitpunkt, so „kurz“ vor dem Ende. Mit dem jetzigen Stand der Dinge bin ich unheimlich froh, volle 3 Jahre Ausbildung in Kauf genommen zu haben. Vor einem Jahr hätte ich letztlich keine Ahnung gehabt, wie es weiter ginge. Und wenn doch, dann sicherlich nicht so wie jetzt. Aber nungut, weiter im Text:

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Danke an Stefan und Oliver für die Fotos!

3 Jahre lang habe ich immer wieder betont, dass ich keinen Abschlussfilm, sondern einen simplen und langweiligen Beitrag machen möchte, der mir einfach nur eine 1 sichert. Und 3 Jahre lang hatte ich das auch genau so gemeint. Bis zu dem Moment der Themenveröffentlichung. „Mein Instrument“ – mehr hat es nicht gebraucht und ich wusste, dass ich einen Film drehen muss. Für das komplette Konzept standen ca 3 Wochen zur Verfügung, in dieser Zeit musste absolut alles fix sein: Drehbuch, Schauspieler, Team, Drehgenehmigungen, Dispo, Kalkulation, Zeitplan. Für die gesamte Produktion und Postproduktion stehen 18 Stunden zur Verfügung. Da heißt es haushalten.

Vor der verwendeten Idee hatte ich noch ein paar weitere skizzierte Geschichten, die aber schnell wesentlich zu kompliziert wurden. Von Anfang an klar war jedoch, dass ich eine Story um den Musiker in meinem Leben schreiben würde. Danke Jannik, dass du ohne zu zweifeln hierfür nach Köln gekommen bist! Die Geschichte habe ich letztlich um eine Frage herum geschrieben: Wie schaffe ich es, dem Zuschauer in 3 Minuten eine deutliche und bleibende Emotion zu hinterlassen?

Nachdem ich meine Idee finalisieren konnte ging direkt die unglaublich anstrengende Planungsphase los. Ein riesen Mitleid sei hier meiner Freundin ausgesprochen, die ich wirklich nicht um die Phase mit mir beneide (thanks little one :3 ). Die Tatsache, dass ich an 6 Orten drehen wollte, war weit entfernt von meinem ursprünglichen „alles so einfach wie möglich“-Konzept. Die Deutsche Bahn zeigte sich hier überraschenderweise am kooperativsten, die Stadt Köln zwar auch aber nur gegen teures Geld. Am meisten kämpfen musste ich um ein Krankenhaus und eine Konzertlocation. In einer ziemlichen last minute Aktion konnte ich schließlich doch noch das Kölner Underground für mich gewinnen – auf ein Krankenhaus musste ich trotz aller Bemühungen verzichten. Die Szene habe ich letztlich so umgestaltet, dass ich sie in meinem Schlafzimmer drehen konnte und nur mit wenigen Requisiten ausschmücken musste um die Aussage zu verdeutlichen. Die vielen Schauplätze und Szenarien mussten für den Zuschauer natürlich so dankbar wie möglich gestaltet werden. Ich habe daher viel Wert auf klare, definierte Bilder und vor allem Ton gesetzt. Durch den gezielten Einsatz von bestimmten Geräuschen und nicht zufällig gewählten Wortfetzen, die man zu hören bekommt, wird hoffentlich jedem schnell klar, was gemeint ist. Damit bin ich eigentlich auch am meisten zufrieden.

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Nach einem nahezu perfekt verlaufenem Drehtag mit dem wunderbaren Peter Kotthaus (dem ich so gerne mal eine richtige Rolle anbieten möchte!) habe ich in der Postproduktion gemerkt was für einen riesen Spaß es macht, ein vollständig szenisches Stück zu schneiden. In diesem Ausmaß und diesem Qualitätsanspruch hatte ich das vorher noch nicht gemacht. Dummerweise kommt für mich als Editor des Filmes kein bisschen die angezielte Emotion beim Schauen des Filmes an. Natürlich nicht, ich habe mit jedem Schnitt sehr viel Zeit verbracht und den Film nach der ersten Version nochmal komplett neu geschnitten. Dennoch schwierig, da ich mir sicher war: es muss funktionieren. Konnte es an mir selbst aber nicht testen. Glücklicherweise waren die ersten Probanden überzeugt und besonders die nicht-filmbezogenen Zuschauer emotional genau da getroffen, wo der Film es vorsieht.

Falls irgendwann ein angehender Mediengestalter der Zukunft das hier lesen sollte, hier mein Tipp für die Beste Zeitplanung der 18 Stunden: Drehen & schneiden so bald wie möglich, aber den letzten Schnitt-Tag so spät wie es geht. Ich habe am ersten erlaubten Tag gedreht und nur 2 Tage vor dem letzten Abgabedatum abgegeben. So hatte ich im Schnitt die Möglichkeit, zwischendrin 2 Wochen etwas Abstand zu gewinnen und nochmal mit frischen Augen ran zu gehen.

Es freut mich jedenfalls sagen zu können, dass auch der Prüfungsausschuss von meiner Leistung überzeugt ist und dass ich 100/100 Punkte für Konzept & Film einstreichen konnte.

Auch für die schriftlichen Prüfungen konnte ich mich noch etwas aufraffen und habe hier immerhin 80 (Medienwirtschaft), 86 (Medientechnik und -gestaltung) und 87 (Sozialkunde und Wirtschaft) Punkte erreichen können. Damit wurde ich auch von der IHK als „MedienMarius“ ausgezeichnet, danke dafür! Es war ein langes, anstrengendes und absolut geniales Abenteuer. Und trotzdem bin ich unheimlich froh, dass es vorüber ist und ich den nächsten Schritt tun kann. Und der ist extrem groß.
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