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„Musikvideo zu verschenken“ – Retrospektive

Den Originalpost zum Gewinnspiel findet ihr hier

Die Entscheidung

Ob ich überrascht war, oder einfach nur erfreut, das weiß ich inzwischen nicht mehr so genau. Auf jeden Fall kamen auf meine Ausschreibung hin sehr viele Mails in meinen digitalen Briefkasten, aus allen möglichen Musik- und Himmelsrichtungen. Da mein Jahr 2015 extrem anstrengend angefangen hatte (und weiter ging, aber das ist eigentlich nicht das Thema hier), habe ich mich zugegeben etwas treiben lassen und die Auswahl erst viel später getroffen, als ich es eigentlich vor hatte. Außerdem möchte ich mich hier öffentlich bei denjenigen entschuldigen, denen ich nicht zurück geschrieben habe. Leider fiel das unter die Dinge, die ich mir immer vorgenommen, aber weiter und weiter vor mir hergeschoben habe.

Die Entscheidung war jedenfalls schnell getroffen, denn direkt beim ersten Anhören war ich hin und weg, verliebt in An Early Cascades „Gold“. Interessanterweise hatte ich die Jungs ca 2007 (?) live als Support Band von Alesana gesehen, die Musik von damals hat allerdings mit dem Stil von heute wenig (= gar nichts) zu tun. So zieht das Leben dann wohl seine Kreise. Nach kurzem e-Mail Kontakt war der Deal fix.

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Die Vorbereitung

Nach einer ersten Skypesession, in der mir die Band ihre bisherigen Gedanken zu einem passenden Video gepitcht hatte, war ich zugegeben erst noch skeptisch, dann aber schnell überzeugt. Umgehend wurden Ideen weiter geformt und schnell wurde mir klar, dass mein liebster Tobi (auch des Öfteren „After Effects Guru“ genannt :)) genau der richtige für den Job in der Produktion und vor allem Post-Produktion ist. Da viel mit Effekten, Spiegelungen sowie ungewöhnlichen „Hinguckern“ gearbeitet werden sollte, konnte ich mich darauf verlassen, dass er sich angemessen ausleben wird.

Ein weißes Studio zu finden hat sich als gar nicht so leicht herausgestellt (wir haben weiß aber auf jeden Fall grün vorgezogen), die Stuttgarter Band hatte aber glücklicher Weise von Anfang an klar gemacht, dass sie auch nach Köln fahren können. Fündig eines guten Preis/Leistungsverhältnisses wurde ich letztlich in Gelsenkirchen, im FotoMagic. Das möchte ich auch ohne Einschränkungen empfehlen, wir wurden hier sehr gut behandelt und auch trotz Überziehung der eigentlichen Mietzeit um immerhin fast 2 Stunden taten sich keine Probleme auf – der gute Klaus (unser „Betreuer“) hatte ohrenscheinlich sogar Spaß am Song. Ich hoffe, er genießt jetzt auch das Video! Einzig Licht sollte man sich genügend einpacken, da das Studio eher auf Fotoshootings eingerichtet ist denn auf Videoproduktionen.

Equipmenttechnisch waren wir eher minimalistisch unterwegs, Tobi und ich stellten beide unsere GH4 inkl. Optiken etc. zur Verfügung. Zusätzlich angemietet wurden Stative, ein paar Schienen und 2 externe Rekorder, um den 10Bit-Output der GH4 nutzen zu können. Das war für den Color-Pass Look im hinteren Teil des Videos von enormem Vorteil und auch der Treppchenbildung im grau/weiß Bild wurde damit deutlich vorgebeugt.
Wer sich das Making Of (siehe unten) anschaut oder angeschaut hat, wird mich von Rekorderproblemen reden hören. Wir hatten neben dem Atomos Shogun noch einen Sound Devices Pix 240 gemietet, welcher allerdings Probleme mit der GH4 hat und keine 10Bit von ihr annehmen möchte. Leider wussten wir das nicht vorher und so musste morgens vorm Dreh noch für Ersatz gesorgt werden, was sich als alles andere als leicht rausstellen sollte.

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Nach einem verhältnismäßig großen Zeitverlust haben wir gemeinsam mit Carsten vom FinderTV Kameraverleih (an dieser Stelle nochmal RIESEN Dank!) eine ungewöhnliche, aber rettende Lösung gefunden. Über HDMI von der GH4 in einen HDMI-SDI-Wandler und von dort weiter in den Atomos Samurai. Bis das alles allerdings so geklappt hat, wie wir es wollten, verging einige Zeit und einige Leserei im Handbuch des Wandlers. Da wir durch den Wandler an eine Stromquelle gebunden waren, bin ich mehr als froh dass es sich um einen Studiodreh handelte, sonst wäre das nochmal eine ganz andere Nummer geworden.

Der Dreh

Eigentlich ein „simpler“ Drehplan. Performance in 2 Teile geteilt (Anfang ohne Goldfarbe, Ende mit Goldfarbe), außerdem für den Break zwischen beiden Teilen Makroaufnahmen. Wie das oft so ist, verlief der Start eher holprig. Obwohl die Band schon 10 Jahre existiert und einige Musikvideos gedreht hat, war darunter noch nie ein klassisches Performance Video (und auch jetzt ist es kein klassisches, möchte ich behaupten). Demnach war das performen vor Playback für die Jungs neu und (vermute ich) erstmal befremdlich. Letztlich hat sich aber jeder in seine Rolle eingefunden und vollen Einsatz gezeigt.
Die gemieteten Schienen waren im Übrigen ein „Last Minute“ Zusatz, da ich noch ein bisschen Leihbudget übrig hatte. So hat es sich letztlich angeboten, im ersten Teil des Videos die Kurve zu verwenden, um die Jungs zu „umkreisen“, im hinteren Teil dann die Gerade, auf das jeweilige Bandmitglied zu bzw. von ihnen weg. Es wird vermutlich niemandem bewusst aufgefallen sein, aber ich finde es macht einen dezenten, aber entscheidenden Unterschied. Ohne die Schienenfahrten möchte ich mir das Video jetzt gar nicht mehr vorstellen, ich bin sehr froh dass es so gekommen ist!

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Wie oben schon erwähnt gibt es noch ein Making Of in bewegten Bildern. Relativ kurzfristig habe ich noch Stefan (Editor vom upcoming ebendrum.de Blog) eingeladen uns mit seiner DSLR zu begleiten. Das Ergebnis habe ich unten in diesen Eintrag angehängt. Danke natürlich auch hier!

Die Post-Produktion

Der Workflow verlief hier ziemlich genau wie in meinem letzten Tutorial beschrieben. Ich habe das Projekt in Premiere geschnitten und schon einige Effekte „vorbereitet“ bzw viel mehr nur Wünsche geäußert und die passenden Clips dazu vorbereitet. Im Anschluss ging das Projekt an Tobi weiter, per XML Roundtrip zuerst ins Grading in DaVinci Resolve. Hier wurden alle Clips auf die gleichen Helligkeitswerte gebracht, damit der Hintergrund überall gleichmäßig 100%-Weiß ist. Außerdem alle im Bild befindlichen Stative etc entfernt. Dann per XML zurück zu Premiere und von hier via Dynamic Links die einzelnen Effekte in After Effects umgesetzt. Ich habe uns passendes Stock Material von Ink Drops und ähnlichem besorgt (unter anderem großartigerweise zur Verfügung gestellt von Mitch Martinez), welches vor allem für die Double Exposures zum Einsatz kam. Ich hatte im ersten Durchlauf schonmal ein paar davon gemacht, allerdings bin ich froh, dass Tobi das nochmal vollständig selbstständig angegangen ist. Die Perfektion, dass die Double Exposures exakt auf die Bewegungen der Protagonisten oder auf die Snare angepasst sind, macht das Ganze zu etwas extra Besonderem.

Double_Exposure

Die Shots mit dem Schlagzeug erlaubten außerdem Tracking, wodurch die fliegenden Gold Partikel hier einen weiteren Aspekt ins Video bringen dürfen.
Alles in allem muss man sagen, dass es hier noch unendliche Möglichkeiten gegeben hätte. Die Angst bestand auf unserer Seite, dass es irgendwann einfach nach einem „random“ geschnittenen Effektfeuerwerk aussieht, ich denke das ist uns erspart geblieben.

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Release

Am 10.12.2015 – also 50 Wochen nach Veröffentlichung meines Gewinnspielposts – wurde das Video nun der Öffentlichkeit vorgestellt. Für mich, bzw. für „offtonewadventures“ ist das etwas ganz besonderes. Zum Einen da ich den Song wie gesagt enorm ins Herz geschlossen habe, zum Anderen weil mich das Ergebnis in keinster Weise enttäuscht hat (normalerweise baue ich meine Erwartungen so hoch auf, dass sie gar nicht erreicht werden können. ‚Gold‘ hat es allerdings geschafft!). Hauptsächlich aber, da es ein absolut genialer Entstehungsprozess war, die enge Zusammenarbeit mit Tobi und auch Stefan war für mich etwas, das mir sehr wichtig ist und super funktioniert hat.
Daher war es mir auch wichtig, dass das Video nicht einfach nur „eines von vielen“ in meiner Posting-Timeline ist. Erfreulicherweise ist das Feedback bisher überwältigend und durchweg positiv. Hier und da hätte jemand etwas anders gemacht, aber wann hat man das nicht? Ich bin überzeugt, das Ganze hat noch wesentlich mehr Klicks verdient, als es im Moment hat. Denn wie gesagt, das Feedback ist super und ich bekomme selbst von vielen Leuten „Props“ mit denen ich sonst wenig bis gar nichts zu tun habe, was mir natürlich einiges bedeutet!

Gewinnspiel-Zukunft

Lange habe ich überlegt, ob ich dieses Jahr erneut ein Gewinnspiel mache, werde aber erstmal davon absehen. Nächstes Jahr vielleicht wieder, aber ich bin mir sicher 2016 wird so schon aufregend und spannend genug, das möchte ich erstmal auf mich zukommen lassen.

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